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Preisträger : Jan Mojto

 

 

Laudatio von Markus Schächter

Laudatio zur Preisverleihung an Jan Mojto am 22. Mai 2003

Markus Schächter, Intendant des ZDF.

Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister, Frau Professor Meckel, Herr Professor Groebel, meine sehr verehrten Damen und Herren, vor allem aber, lieber Jan Mojto,

es ist durchaus eine ebenso ehrenvolle wie vergnügliche Herausforderung, eine Laudatio zu halten auf einen, der im Namen von Karl dem Großen geehrt wird. Die Herausforderung ist eine Vorlage, quasi ein Steilpass, zwei besondere Europäer in ihren Parallelen, aber auch Differenzen einander in Bezug zu bringen: Hier einer der ganz großen und markanten Männer der europäischen Geschichte und dort ein in ganz Europa groß gewordener Erzähler von Geschichten markanter Männer.

Die lustvolle und verführerische Suche zunächst nach Parallelen, nach Assoziationen des Gemeinsamen, nach Schlenkern, die Biographie hier und die Vita dort zusammenbringen, führt zu unterschiedlichen Annäherungen. Einige Assoziationen fallen dem Laudator schnell in den Schoß: "Je suis Charlemagne.", sagt der große Napoleon Bonaparte in Jan Mojtos jüngster Produktion. Indem er diesen "Weltgeist zu Pferd" die politischen Grenzen Europas überspringen lässt, hat er für seine neugegründete Firma EOS ENTERTAINMENT einen fulminanten europäischen Start geschaffen. Und in seinem frühen mehrteiligen Fernsehdrama "Die Wiedertäufer", in der Regie von Tom Toelle, lässt er Jan Bockelson, den Anführer der Bewegung, in Münster sinngemäß sagen: "Wir werden ein wundervolles Großreich schaffen. Alle, die Bonifaz und Karl getauft haben, wollen wir wiedertaufen." Der Film, vor rund 15 Jahren schon als eine der ersten Koproduktionen, quasi Mojtos Gesellenstück, gedreht, steckt voller Anspielungen auf die Missionierungsarbeit von Kaiser Karl mit seinen Kämpfen mit den Sachsen im 8. Jahrhundert. Als ob Jan Mojto schon damals gewusst hätte, dass er am heutigen Tage in Aachen etwas Passendes vorzuweisen haben müsste.

Und bis in die Titulatur gibt es enge Parallelen: Astrid Lindgren, auch mit damals 75 Jahren noch quirlig und musikbegeistert, wünschte sich anlässlich einer Besprechung für eine von Jan Mojto und mir gemeinsam betreute Produktion in Wien quasi zum feierlichen Abschluss der Arbeit einen Besuch der Wiener Oper. Jan Mojto hatte von jetzt auf nachher eine "Figaro"-Aufführung mit besten Plätzen möglich machen können. Die gutaufgelegte Astrid Lindgren summte, vorne an der Logenbrüstung neben Jan Mojto sitzend, jeden Takt der Oper vernehmbar mit. In der Pause beschwerte sich eine jüngere Frau aus der Nachbarloge. Astrid Lindgren war überrascht, dann erstaunt und gab in ihrem schwedisch weichgefärbten Singsang stolz zurück: "Ich denke, ich dürfte mir dies heute ausnahmsweise erlauben. Immerhin sitze ich in der Loge des Kaisers von Österreich als Gast von Jan Mojto, dem König von Europa."

Auf diese pressemäßig bekannte Nobilisierung nahm übrigens einige Jahre später ein österreichischer Spitzenpolitiker Bezug, als er Jan Mojto anbot, Generalintendant des ORF zu werden. Mojto hatte in einem ersten Gespräch, aus unterschiedlichen Gründen, das Angebot abgelehnt. Der von der Idee eines Jan Mojto als Intendant Besessene ließ nicht locker und insistierte: "Zum König von Europa kann ich Sie nicht machen, aber Sie wissen, der Chef des Österreichischen Fernsehens ist der dritte Mann im Staat nach Kanzler und Bundespräsident. Warum wollen Sie nicht?" Die lakonische Antwort von Jan Mojto war:

"Deshalb!"

Da blitzte sie auf, diese Mojtosche Lakonie, die fast Schwejksche Kurzangebundenheit. In diesem "Deshalb" kommt weder Hochmut noch Demut zum Ausdruck, sondern couragierte Entschlossenheit und die Erfahrung, selbst am besten zu wissen, was gut, richtig und angemessen ist. Das knappe "Deshalb" sagt ein Mann, der nach der Flucht aus seiner Heimat und nach einem beispiellosen Marathon durch die Untiefen der unterschiedlichen europäischen Kulturen längst von sich sagen kann: "Ich bin bei mir und meinen Standards angekommen." Jan Mojto verkörpert in diesem Selbstverständnis jene elegante Mischung aus kosmopolitischer Welterfahrung und fast kindlicher Treue zu den Wurzeln des ländlichen Nitra in der slowakischen Ebene; eine Mischung aus produktiver Sensibilität und heiterem Pragmatismus, aus strikter ökonomischer Professionalität und zügelloser Kreativität, um Witz und Reflexion, Spaß und Sinn, Markt und Qualität einander zu versöhnen. Der Meister des Floretts ist dabei auch ein unverbesserlicher Prophet für den Blick nach vorn, für ein anfeuerndes "Trotz alledem"; er ist mit und trotz all seiner Erfahrung ein europäischer Optimist und ein optimistischer Europäer.

"EOS" nennt er deshalb seine neue, seine eigene Firma. EOS, die Morgenröte, ist der poetische Name der griechischen Göttin, die das Licht aus der dunklen Nacht in das Licht des neuen Kontinentes gebracht hat. Ich versuche, mir die Reaktion meines Griechischlehrers vorzustellen, hätte ich ihm erklärt, dass dieser wunderbare Göttinnenname EOS auch noch die fernseh- und filmtaugliche Konnotation EOS = "Events on Screen" beinhaltet. Vermutlich wäre er in Trauer versunken, angesichts des Umstandes, dass derartige Zweideutigkeiten heutzutage nicht nur sinnvoll sind, sondern von der Konkurrenz auch noch neidvoll als guter Schachzug anerkannt werden. Da haben wir wieder die lebensnahe Janusköpfigkeit des Jan Mojto.

Die Jury hat Jan Mojto charakterisiert als einen Mann, "der in seiner Person das gebildete und erlebte Europa repräsentiert". Das ist wahr. Jan Mojto personifiziert ein Bild von Europa wie kaum ein anderer und er ergänzt es. Es ist nicht das westliche Europa allein, das ihn umtreibt, es ist Mittel-Europa, das Kern-Europa, das er in Geist und Herkunft verkörpernd mit einbringt, das Kernland Europas: das Fünfeck zwischen Wien, Salzburg, Budapest, Pressburg und Prag.

In Prag stand bekanntlich die erste deutsche Universität, 1348 ebenfalls von einem anderen großen Karl gegründet: von dem weisen Karl IV., Deutscher König, König von Böhmen und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Durch seine Herkunft und Erziehung international geprägt, beherrschte er fünf Sprachen, er war also so etwas wie ein "kleiner Mojto". Unter seiner Regentschaft wurde Mitteleuropa zum Kernland des Kontinents.

Bratislava, wo Jan Mojto studiert hat und Nitra, wo Jan das Licht der Welt erblickt hat, sind ähnlich wie Prag Zentren dieser europäischen Kernlande. Nitra liegt im heutigen Dreiländereck von Slowakei, Ungarn und Österreich. Damit waren dem jungen Jan schon einmal drei seiner zahlreichen Sprachen sicher. Wer aus Nitra beziehungsweise, deutsch, aus Neutra kommt, ist weder Niete noch Neutrum. Wer von dort kommt, dem ist die Rolle eines Europäers quasi auf den Leib geschrieben. Er steht mitten in der Welt, ist offen für die Welt. Neutra heißt zu deutsch "Schlüssel". Der Schlüssel für Jan Mojto ist Nitra. Von hier aus erschloss er sich die Welt. Damals war seine Heimat die heutige souveräne Slowakei, Bestandteil eines größeren Staates, der nicht großzügig dachte. Jan Mojto aber hatte zu viel gelesen über die europäische Geschichte, die Weite der Welt, die Freiheit der Gedanken und die Faszination der Freiheit, als dass er das ertragen hätte.

Wir ehren heute also jemanden, den das Schicksal eines Flüchtlings geprägt hat: einen illegalen Einwanderer, einen einst Staatenlosen, dem die Republik Österreich dann die Staatsbürgerschaft gewährte. Schaut man sich an, was unser Preisträger nach seiner Flucht auf die Beine gestellt hat, muss man ihn zu einem ungewöhnlich gelungenen Beispiel europäischer Integration erklären.

Es hat zwar gedauert, bis Jan Mojto seine Einflusssphäre bis in die ursprünglichen Grenzen des Machtbereiches von Karl dem Großen ausgedehnt hatte, doch schon lange bevor es auch die Fachöffentlichkeit einigermaßen präzise wahrgenommen hatte, war es für ihn Realität: Er hat Länder, Menschen und Sprachen studiert und gelernt wie kein anderer. Wie einst der Frankenkönig Karl hat er sein Betätigungsfeld unter den Stämmen und in den Regionen Europas gefunden. Nach den Wanderungen aus der Slowakei nach Österreich und Frankreich hat er in Deutschland jenen Platz gefunden, von dem aus ihm Europa groß genug war, von dem aus er das Denken von Größe, das er so liebt, umsetzen konnte.

Und bestimmt ist es eine der feinen Ironieleistungen der Geschichte, dass ihm dies ausgerechnet als Vertreter eines Medien- und Produktionshauses möglich war, dem ein anderer Frankenkönig vorstand. Und so ist er denn Produzent geworden, der einzige Beruf, der es einem erlaubt, Geschichten und Märchen zu erzählen und daraus auch noch ein Geschäft zu machen. Produzent ist ein Beruf, für den man aber zunächst auch Geld braucht, sehr viel Geld. Karl der Große hätte dafür viel Verständnis gehabt, weil er für große Unternehmungen immer bereit war, auch Großes zu geben. Und man hat selten genug davon, besonders wenn man sich, wie Jan Mojto, in den Kopf gesetzt hat, große Geschichten zu erzählen und etwas anderes als große Geschichten kamen für Jan, ganz seinem europäischen Format entsprechend, nicht in Frage. Jan, der erfahrene Brückenbauer, hat dieses Geld gefunden, indem er unterschiedliche Partner mit unterschiedlichen Zielen und unterschiedlichen Mentalitäten das Gefühl vermitteln konnte, endlich einmal an der einzig richtigen Sache mitzuwirken. Aber nur kaufmännische Gesichtspunkte reichen dafür nicht aus: "Wir dürfen unser Geschäft nicht auf Zahlen reduzieren", sagt Jan Mojto. Er habe bei Kirch gelernt, sagt er auch heute noch, dass es nötig ist, "Dingen einen positiven Geist einzuhauchen": "Wir brauchen auch den göttlichen Funken in unserem Geschäft. Am besten mehrmals täglich.", so Jan Mojto.

Für heute übrigens ist dieser Götterfunke schon gesichert. Am heutigen 22. Mai 2003 steht in London bei Sotheby’s die Versteigerung der letzten handkorrigierten Version des Druckmanuskripts von Beethovens 9. Symphonie an. Schätzwert 3 bis 4,5 Millionen Euro. Sage einer, mit Geist und Genie ließe sich kein Geld machen. Sage einer, Geist und Genie seien Tugenden von gestern. Wo doch der Schlusschor "Freude schöner Götterfunken" zur aktuellen Europa-Hymne geworden ist.

Apropos Geist und Genie: Wer sich mit Jan Mojto auf Drehreise befindet, der lauscht mit Verblüffung und Verwunderung der sprachlichen Polyphonie dieses Mannes aus Nitra nach, wie sie in unserem Gewerbe außerordentlich selten ist: Der Mann aus der Slowakei, der in Frankreich studiert und einen österreichischen Pass hat, spricht acht Sprachen. In Tunesien parliert er bei den Dreharbeiten mit seinen Produzentenkollegen italienisch, mit dem Fahrer verständigt er sich auf Französisch, mit dem Regisseur plaudert er auf Englisch, mit dem Produktionsleiter einer parallellaufenden Produktion spricht er ungarisch, ein Journalist von EL PAIS kriegt die Antwort in Kastilisch, und wenn sein Handy klingelt, schwärmt er seiner Münchner Frau in immer noch leicht slowakisch mildem Deutsch von den Kulissenbauten vor.

Das Besondere bei Jan Mojto aber ist, dass er nicht nur die genannten Sprachen spricht, sondern in den jeweils anderen Sprachen einen anderen Teil seiner Persönlichkeit besser zum Ausdruck gebracht sieht, der in der je eigenen Sprache weniger in Erscheinung tritt. Mojto kokettiert ein bisschen mit dieser Sprachgenialität: "Wer mehrere Sprachen spricht, ist auch stark anpassungsfähig", sagt Jan und brummelt vor sich hin, "dass eine solche vielschichtige Natur mit ihrer Anpassungsstärke natürlich auch eine Charakterschwäche sein könnte".

Die Jury der Karlsmedaille hat sich zu Recht entschieden, diese Qualität als Charakterstärke auszulegen. Recht hat sie. In großer Eleganz und seltener Könnerschaft überwindet Jan Mojto mit seinen Sprachen schwierige Grenzen. Natürlich hat er über diese Fähigkeit eine eigene Wissenschaft und eine besondere politische Disziplin in der Kunst der Verhandlung. Erfolg in seiner Welt der Verhandlungen und Verträge hat er auch deshalb, weil man seinen eigenen Stil, seine persönliche Geradlinigkeit, Fairness und Verlässlichkeit schätzen und einzuschätzen gelernt hat. Das gesprochene Wort, der Handschlag galt. Jan Mojto verkörpert alte Tugenden der Partnerschaft, die oft kreativ vorgetragen, aber immer belastbar waren.

Die alten Tugenden sind nachhaltig gelehrt worden in einer alten Schule guten Namens: Jans altes Bischofsgymnasium in Nitra ist im 9. Jahrhundert als Schule des Bischofs gegründet worden – mit Gründungsbrief und Lehrvorgaben vom Hof in Aachen. Eine humanistische Bildung mit dem Blick nach Europa sollte es schon werden für Jan und seine sieben Geschwister – und wurde es auch, selbst als die dogmatischen neuen Herren einige Fächer aus dem Lehrplan nahmen. Gerade die Fächer, für die es nur noch klandestinen Unterricht am Sonntag im Hause des Onkels gab, wurden besonders prägend. Jan Mojto weiß solches besser als andere, und hat es auch als Produzent nicht vergessen, dass das Kennen der Bibel und das Wissen um Geschichte kein Schaden sein muss.

Kerzengerade greift er hinein in das unerschöpfliche Reservat an Geschichten aus der Geschichte unserer Zeit und lässt auch Gestalten wieder lebendig werden, von denen manche Zeitgenossen vielleicht noch nicht einmal den Namen kennen. Den Vorwurf, hier auch wieder nur auf den Spuren des "alten Europa" unterwegs zu sein, fürchtet er nicht. Nicht nur, weil es sein Europa ist, das Europa, dem er so viel verdankt, sondern vor allem, weil er zutiefst davon überzeugt ist, dass Bildung spannend und unterhaltsam sein kann und ein neues Europa ohne das Wissen um das alte nicht entstehen wird. Für solche Persönlichkeiten, die für Europa, aber selbstverständlich auch für Amerika, stehen, für ihre Geschichten und deren Umsetzung lohnt sich schon die Mühe, Geld aus vielen Ländern zusammenzutragen und es dann lustvoll geschickt auszugeben. Beim Wiederverdienen wächst Jan Mojto allerdings über das europäische Vorbild Karls des Großen hinaus. Er braucht dann die Weltrechte, und eigentlich orientiert er sich dabei an James Bond: "The world is not enough.”

Und damit stellt sich die Frage nach dem Produzenten Jan Mojto noch einmal neu. Vielleicht finden wir in seiner Person eine Antwort auf die gerade heute häufiger gestellte Frage: "Wie ist man ein erfolgreicher Produzent?" Vielleicht hat sich Jan Mojto mehr als andere hier an dem verbündeten Zeitgenossen Karls des Großen, dem Kalifen von Bagdad, Haron al Rashid, orientiert. Seinem Bestreben, ein gerechter Herrscher zu sein, der die Wünsche und die Vorstellungen seines Volkes kennt, kam dieser auf einfache Weise nach: Er mischte sich unters Volk, hörte ihm auf den Märkten und an den Lagerfeuern, in den Teestuben und an den Brunnen zu, fragte und beobachtete.

Daran hat sich Jan Mojto ein Bespiel genommen. Er weiß, dass es nicht reicht, die Märkte, die Händler und die Preise zu kennen. Er weiß besser als andere, was das Publikum will, worüber es staunen möchte, warum es weint oder Herzklopfen bekommt. Und er achtet konsequent darauf, dass das Publikum dabei nie unterschätzt und immer ernstgenommen wird.

Wer seinem Publikum in so vielen Sprachen zuhören und auch antworten kann, ist den anderen gegenüber natürlich im Vorteil. Er taugt aber auch zum Vorbild: Ein Europäer sollte mehr als eine Sprache sprechen und verstehen. Sprachen zu beherrschen, bedeutet, das zeigt uns Jan Mojto, mehr, als auf Italienisch oder Französisch unfallfrei eine Bestellung im Restaurant oder eine kleine Konversation am Flughafen bestehen zu können. Sprachen zu beherrschen, heißt eben auch, Gefühlswelten der Menschen des anderen Sprach- und Kulturraums zu kennen, ihre Geschichten, ihre Leidenschaften, ihre Geschmäcker, auch ihr Selbstbewusstsein. Wenn ein Produzent beim Geschichtenerzählen darauf zu achten vermag, dann gelingt ihm vielleicht das besondere Fernsehen über nationale Grenzen hinweg. Und wenn das Ganze mit Humor passiert, wenn es mit einer freundlichen Leichtigkeit und luftigen Ironie einherkommt, dann kommen in dieser Bildungsaufgabe, unter der sich unser Hauptdarsteller Jan Mojto wie der Bildungskaiser Karl der Große in der Rolle des Volkserziehers sieht, Sinn und Spaß als eine Verpflichtung zusammen.

Dann kommen eben mit den römischen Kaisern, mit Napoleon und auch mit Johannes XXIII. Europäer auf den Bildschirm und die Leinwände, die, in allen europäischen Sprachen ausgestrahlt, den Menschen Information, Freude, Unterhaltung und Bildung gleichzeitig bieten. Selten hat das alte Europa sich moderner und offener präsentiert. Daher sollte es mich nicht wundern, wenn irgendwann einmal, angeregt durch den heutigen Preis, Karl der Große zu den auserwählten biographischen Stoffen gehören sollte, die unser Preisträger verfilmen lässt. Er ist selbst wie Karl von Messe zu Messe gezogen, so dass man für einen Moment auf den Gedanken kommen könnte, die Titelrolle mit ihm selbst besetzen zu wollen. Dabei fällt es uns leicht, ihn in den unterschiedlichen Kaiserpfalzen Hof halten zu sehen. Wer Jan Mojto je in Cannes oder Mailand, auf Messen oder Festivals, erlebt hat, weiß, wovon ich rede. Eindrucksvolle Messestände, schön, dass die deutsche Sprache diese Doppeldeutigkeit anbietet, auffällig-originelle Präsentationen, genüssliche Feste und selbstbewusste, polyglotte Vorstellungen, so hat er ganz Europa imponiert. Da er jedoch der Weltmeister der Besetzungen ist, würde er die Idee wahrscheinlich sofort verwerfen: Selbstkritisch, wie er nun einmal ist, würde er mit sich selbst nicht für gut genug halten.

Mögen wir die Frage nach dem passenden Hauptdarsteller für die Rolle Karls des Großen in einer EOS-Produktion auch nicht beantworten können, so ist die Frage, was die Jury bewogen hat, Jan Mojto die MÉDAILLE CHARLEMAGNE POUR DES MÉDIAS EUROPÉENS zu verleihen, jedoch eindeutig beantwortet. Und es verwundert nicht, dass sie dies damit begründet, dass mit ihm eine Medienpersönlichkeit ausgezeichnet wird, die "wie keine andere den europäischen Koproduktionsgedanken verkörpert und die zugleich in ihrer Person selbst das gebildete und gelebte Europa repräsentiert". Die Rolle mit Jan Mojto als Träger der Karlsmedaille könnte nicht besser besetzt werden:

Er ist ein überzeugter Europäer und ein herausragender europäischer Produzent, der über die ungewöhnliche Fähigkeit verfügt, scheinbar Gegensätzliches in seinem bisherigen Lebenswerk zu verbinden: kulturelle Verwurzelung im Eigenen mit kosmopolitischer Weltläufigkeit, produktionelle Kreativität mit hintergründiger Reflexion, Leichtigkeit der Sprache mit Ernsthaftigkeit des Gedankens, Sprödigkeit unkonventioneller Stoffe mit Massenattraktivität ihrer Umsetzung, also Qualität mit Quote. All diese Verbindungen geschehen durch fast preußische Professionalität der Arbeit vom Entwurf des Drehbuchs bis zur Vollendung am Schneidetisch, ja bis zur formvollendeten Präsentation auf Film- und Fernsehmessen, als König von Cannes und anderswo.

Zur mehr als verdienten Auszeichnung mit der Karlsmedaille gratulieren wir, lieber Jan Mojto, von Herzen gerne. Ich bin sicher, im Interesse aller zu sprechen, wenn ich Jan Mojto und uns wünsche, dass er uns auch weiterhin die Freude seiner erfolgreichen Arbeit machen möge. Auf den diesjährigen MAINZER TAGEN DER FERNSEH-KRITIK im ZDF hat Jan Mojto in für ihn typischer Untertreibung über das Produzentenschicksal gesagt:

"Wir sind nur so viel wert wie wir als Dienstleister leisten."

Sein 'Mehrwert' als Mensch und Medienschaffender wird heute verdientermaßen unterstrichen durch die Verleihung der Karlsmedaille . Am heutigen Tage trifft besonders zu, womit er am 10. Oktober 2001 seine legendäre Rede in Cannes in schwierigster wirtschaftlicher Isolation, nach dem großen Bruch mit Kirch, auf menschenleerer Bühne, wo sonst Stars und Promis mit Mojto Gemeinsamkeit demonstrierten, in schwärzester Ironie begonnen hatte: "Today, there’s no other star than me."

Ich gratuliere dem besonderen "Star" des heutigen Tages: Jan Mojto!

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