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Rede zur Preisverleihung an Abdellatif Kechiche und Fatih Akin am 24. April 2008
Frauke Gerlach ist Vorsitzende des Vereins "Médaille Charlemagne pour les Médias Européens". |
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"Die Welt ist voller Rätsel, für diese Rätsel aber ist der Mensch die Lösung", hat Joseph Beuys einmal gesagt.
Die Preisträger der Médaille Charlemagne 2008 geben uns keine Antworten auf die die Rätsel unserer menschlichen Existenz in einer globalisierten Welt, denn es gibt keine einfachen Antworten auf diese Fragen. Sie zeigen aber in ihren Filmen, dass nur eine zutiefst menschliche Betrachtung und die Anerkennung unserer Unterschiedlichkeit zu einer möglichen Lösung dieser großen Herausforderung des 21. Jahrhunderts führen kann.
Sehr geehrte Preisträger,
verehrte Ehrengäste und Gäste,
Das Kuratorium der Médaille Charlemangne ehrt heute Abdellatif Kechiche und Fatih Akin, die mit ihren Filmen einen herausragenden medialen und kulturellen Beitrag zur europäischen Integration leisten.
Erstmals wird der Preis zugleich an zwei Persönlichkeiten verliehen. Das Kuratorium hat sich für Fatih Akin und Abdellatif Kechiche entschieden, weil sie uns mit ihren Werken, bei all der Unterschiedlichkeit ihres Schaffens, die Vielschichtigkeit der Herausforderungen der europäischen Integration im globalen Kontext zeigen. Diese Herausforderungen enden nicht an den Grenzen Europas.
Die Preisträger erzählen uns in ihren Filmen Geschichten über Menschen und deren Leben in einer unübersichtlichen Welt, in der wir uns alle - freiwillig oder unfreiwillig - als Grenzgänger bewegen.
Das Kuratorium ehrt Abdellatif Kechiche und Fatih Akin, weil ihre Arbeiten die vielschichtigen Spannungsbögen von Migration und Integration, die uns heute und in Zukunft bewegen, eindringlich vor Augen führen. Sie weiten mit ihren Filmen den Blick über die Grenzen Europas hinaus und zeigen, dass europäische Integration nur dann gelingen kann, wenn Integration als das verstanden wird, was es ganz wörtlich bedeutet, nämlich die Herstellung eines Ganzen.
Den Werken beider Preisträger ist gemeinsam, dass sie einen ganz persönlichen und warmen Blick auf Menschen richten, die sich aus unterschiedlichsten Motiven zwischen kulturellen Grenzen bewegen. Die Filme von Akin und Kechiche arbeiten nicht mit Klischees oder Stereotypen. Wir finden weder multikulturelle Verklärungen, noch Dramatisierungen, um filmische Effekte zu steigern. Durch die Sicht der Akteure wird der Blick frei auf ihr persönliches und soziales Umfeld. Damit gelingt es ihnen vereinfachende Klischees aufzubrechen und den Menschen in seiner ganzen Komplexität und Unterschiedlichkeit darzustellen.
Das Kuratorium ehrt Abdellatif Kechiche weil er mit seinen vielfach ausgezeichneten Filmen, "La graine et le mulet", "L'esquive" und "La Faute a voltaire" einen ganz persönlichen medialen und kulturellen Beitrag zur europäischen Integration leistet. In seinen Filmen zeigt Abdellatif Kechiche den Alltag von Migranten aus Nordafrika in Frankreich, nicht verklärt und geradlinig erzählt. Er zeigt, dass die Notwendigkeit von Integration nicht an den Grenzen Europas halt macht. Seine Filme entfalten eine außerordentlich authentische Wirkung, vor allem auch deshalb, weil Abdellatif Kechiche vielfach mit Laiendarstellern arbeitet, an den Orten, an denen sie ihren Alltag leben und in der Sprache, die sie sprechen.
Fatih Akin wird heute mit der Médaille Charlemagne für sein bisheriges Werk geehrt, für sein filmisches Schaffen, das bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Mit seinen Filmen, hier seien nur beispielhaft "Im Juli", "Solino", "Gegen die Wand", "Crossing the bridge - The sound of Istandbul" und "Auf der anderen Seite" erwähnt, zeigt Fatih Akin die Vielschichtigkeit des menschlichen Daseins. Es gibt keine eindimensionale Sicht, kein Focus auf stereotype Migrantenschicksale. In seinen Filmen spürt der Zuschauer, egal welcher Herkunft, dass man schnell selbst zum Grenzgänger werden kann. Das Kuratorium ehrt Fatih Akin für seinen Beitrag zum gegenseitigen Verstehen im Verhältnis zwischen Menschen mit türkischer Herkunft und Menschen mit deutscher Herkunft und allen Melangen, die dazwischen und daneben liegen.
Der Weg zur Verständigung zwischen der Türkei und Deutschland findet nur durch die Menschen selbst und mit den Menschen statt. Fatih Akin unterstützt diesen Prozess mit seinen Filmen und mit seinem Wirken.
Es ist mir eine besondere Ehre und Freude Abdellatif Kechiche und Fatih Akin im Namen des Kuratoriums der Médaille Charlemagne mit der Karlsmedaille 2008 zu würdigen. Sie leisten mit ihren ausdrucksstarken Filmen einen wesentlichen Beitrag zum gegenseitigen Verstehen und sensibilisieren uns für eine Kultur der Anerkennung der Unterschiede, die eine Grundvoraussetzung für ein geeintes Europa in einer globalisierten Welt ist.
Wir freuen uns alle auf mehr davon!
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